Eine Geschichte fängt bei mir ganz still an – irgendwo tief im Kopf. Ein Gedanke, ein Gefühl, ein Bild, das bleibt. Ich trage es eine Weile mit mir herum, drehe es hin und her, bis sich langsam eine Geschichte daraus formt. Ich sehe Szenen, höre Dialoge, spüre Emotionen – aber ich schreibe noch nichts auf.
Und wenn sie mich nicht mehr loslässt, dann weiß ich: Jetzt muss sie raus. Dann greife ich zu meinem Laptop (früher war’s das Schulheft) und skizziere alles grob. Keine Details, keine ausgefeilten Dialoge – einfach nur den roten Faden.
Das sind meist 50 bis 100 Seiten, auf denen ich die komplette Handlung von Anfang bis Ende festhalte. Ohne Nebenstränge, ohne große Ausschmückungen. Nur Stichpunkte, kleine Notizen, ein paar Gedanken, damit ich weiß, wohin die Reise gehen soll.
Wenn Figuren plötzlich machen, was sie wollen
Dann beginnt der eigentliche Zauber: Ich gehe Szene für Szene durch, schreibe ausführlich, bringe Stimmung hinein, lasse die Figuren leben. Und meistens passiert dabei etwas, womit ich selbst nicht gerechnet habe.
Früher habe ich nie verstanden, wenn Autor*innen sagten, „meine Figuren haben plötzlich gemacht, was sie wollten“. Heute weiß ich genau, was sie meinen.
Wenn eine Figur einen bestimmten Charakter hat, muss sie auch entsprechend reagieren – selbst wenn ich mir das anders vorgestellt habe. Dann streiche ich, schreibe um, fluche leise – und am Ende wird es meistens besser. Irgendwie echter. So, als würde die Geschichte plötzlich von selbst leben.
Wenn gar nichts mehr geht
Aber natürlich gibt es auch diese Tage, an denen einfach nichts funktioniert. Der Cursor blinkt vorwurfsvoll, die Gedanken sind irgendwo zwischen Wäsche und Küche verloren, und alles fühlt sich zäh an.
Dann hole ich meinen Mann dazu. Er hat ein unheimlich gutes Gespür für Verstrickungen, Intrigen und dunkle Wendungen. Wenn ich mich in meinen eigenen Knoten verliere, hilft er mir, den Faden wiederzufinden – oder spinnt ihn noch weiter, bis plötzlich alles wieder Sinn ergibt.
Wenn alles sich verheddert – und doch zusammenfindet
Und dann kommt dieser Moment, an dem ich glaube, endlich fertig zu sein. Nur um festzustellen: da passiert noch etwas. Etwas, das alles verändert.
Oft ist es ein Gedanke, eine Szene im nächsten Band, ein unerwartetes Detail – und plötzlich weiß ich: Ich muss zurück. Zurück an den Anfang. Szenen überarbeiten, neue Hinweise einbauen, Beziehungen anders anlegen.
Mein aktuelles Projekt ist ein Mehrteiler. Eigentlich war Band 1 längst fertig. Bis im zweiten Teil etwas passierte, das so heftig war, dass ich alles neu verweben musste. Manchmal fühlt sich das an, als würde ich im eigenen Labyrinth stehen – aber irgendwann finde ich den Weg wieder heraus.
Und genau das liebe ich
Trotz allem Chaos, aller Zweifel, allem Grübeln – ich liebe diesen Prozess. Dieses Gefühl, wenn Figuren lebendig werden. Wenn eine Idee plötzlich Tiefe bekommt. Wenn das, was im Kopf begann, endlich zu einer Welt wird, die atmet.
Schreiben ist für mich kein gerader Weg. Es ist ein ständiges Entstehen, Verlieren, Wiederfinden. Und genau das macht es für mich so magisch.








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